Historie der

Erich Kästner Schule

Städtische Gemeinschaftsgrundschule Wegberg

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Aus: Erkelenzer Nachrichten vom 20. Dezember 1951

Lehrer Neisius

Ehe der Möbelwagen kommt

Ein Blick auf die alte und auf die neue Schule - Gotteshaus für die evangelische Pfarrfamilie?

Wegberg. - Nach den Weihnachtsferien ist es also endgültig soweit! An die siebenhundert Füße von Jungen und Mädchen werden einen bis dahin ungewohnten Weg gehen, werden zuerst zögernd vielleicht den spiegelblanken Boden des neuen Schulhauses betreten, ehrfurchtsvoll das strahlend Neue und wahrscheinlich auch etwas schüchtern die vielen und großen Fensterscheiben mustern. Ein paar Tage dann fühlt sich die Jugend in den herrlichen Räumen "wie zu Hause", und soll es ja auch sein. Das alte Schulhaus wird bald bei ihnen in Vergessenheit geraten.
Nicht so bei den Älteren. "Selige Jugendzeiten" und bange Minuten aus der Zeit, in der man schlecht präpariert zum Unterricht ging. werden ihnen bunter wieder in Erinnerung kommen, wenn sie an dem alten vom "Zahn der Zeit" wohl fast ebenso wie von den Zerstörungen des Krieges unverschontcn alten Schulhaus vorübergehen.
Die Frage, was aus diesem Hause werden soll wurde schon aufgeworfen, ehe die neue Schule da war. Sicherlich, man soll das "Fell des Bären" nicht eher aufteilen ehe er erlegt ist, doch in diesem Falle war es etwas anderes. Der Bau der neuen Schule stand fest, warum sollte man sich in der Zwischenzeit nicht schon allenthalben Gedanken über die spätere Verwendung des alten Hauses machen?
Die evangelische Pfarrfamilie brachte den Antrag bei der Gemeindevertretung ein, ihnen
das Haus zur Einrichtung eines Betsaales zu überlassen. Gegen die Errichtung eines evangelischen Gotteshauses hatte der Rat in keiner Weise etwas einzuwenden. Lediglich
war man der Ansicht, dem Presbyterium wäre mit dem alten Schulhaus schlecht gedient. Ein anderer, besserer Plan, den evangelischen Pfarrkindern zu helfen, tauchte auf, nämlich der Bau eines neuen Gotteshauses. Wenn Land und evangelische Kirchenbehörde damit einverstanden sind und dies auch finanziell unter Beweis stellen, so soll es nach Ansicht des
Gemeinderates an der Hilfe der Gemeinde Wegberg keineswegs fehlen.

Gegen die Wohnungsnot

Mit diesem Gedankengang war die evangelische Glaubensgemeinde einverstanden. Nicht entschieden jedoch war damit die Frage, was nun aus der alten Schule werden solle. Sie hat zwar an die 130 Jahre im Dienst gestanden, doch sie ist so solide gefugt, dass sie noch einige Generationen - wenn auch erst nach einem Umbau - überdauern dürfte. Die Wohnungsnot ist nun heute einmal das schwerwiegendste Problem. Was also lag näher, als die Überlegung, die alte Schule in ein Wohnhaus zu verwandeln. Man ist diesem Gedanken bereits mit dem Rechenstift nähergetreten. Das Ergebnis war befriedigend. Es lassen sich durch relativ geringe Veränderungen und Umbauten mehrere Drei- oder Vierzimmerwohnungen in der ehemaligen Schulstätte einrichten, Wohnungen, die praktisch und bequem sind. Dies heißt, dass das Gemäuer des alten Unterrichtsgebäudes nun aller Wahrscheinlichkeit doch nicht bis an ihr Lebensende ganz auf den Klang heller Kinderstimmen verzichten muss. Kinderstimmen, deren Träger allerdings mit ihren Eltern in dem Hause wohnen werden.

Die Zukunft eingerechnet

Der Unterricht dagegen wird also an anderer Stelle stattfinden. Vorsorglich, wie Wegberg nun einmal plant, hat es in dem neuen Schulgebäude, über das wir an anderer Stelle, ausführlichst berichten, acht Klassenräume einrichten lassen. Dies ist eigentlich ein Raum mehr, als die Schlüsselzahl von fünfzig Kindcr zu einem Lehrer und Raum vorschreibt, denn Wegberg zählt zur Zeit etwa 350 Schulpflichtige, doch man rechnet, dass im kommenden Jahr eine größere Schülerzahl untergebracht werden muss.

* (Siehe unten!) In der neuen Schule werden beide Systeme, das Katholische und das Evangelische untergebracht. Damit wird die Grenzlandringgemeinde allen Kindern ihres Distriktes gleichermaßen gerecht. Verschiedene Räume der neuen Schule stehen auch der Bevölkerung zur Verfügung. Besondere Freude herrscht in Wegberg aber noch darüber, dass die Bauarbeiten in der neuen Schule von der Grundsteinlegung, die am 26. August 1950 vorgcnommcn werden konnte, ohne Zwischenfälle durchgelaufen sind.

Viele kamen

Seit dem 28. August 1950 haben viele Experten und "Schlachtenbummler", besonders während der Zeit der großen Düsseldorfer Schulausstellung Wegberg und in ihm die neue Schule besucht. Zu diesen Besuchern zählte übrigens auch im Herbst diesen Jahres der Sozialminister von Nordrhein-Westfalen, Weber, der berichtete, im ganzen Bundesgebiet keine derartige Schule zu kennen. Selbst die in Kiel nach den letzten Erkenntnissen erbaute Unterrichtsstätte würde
dieser Anlage nicht gleichen. es mag sein, dass all dieses auch noch ein weiterer Ansporn für die Gemeinde, die Bauleitung und die Beteiligten gewesen ist, das Gebäude zügig zu erstellen.
Natürlich gibt es auch bedenkliche Gemüter im Grenzlandring, deren Freude über die schöne, nette Schule - wir wollen es einmal mutig aussprechen - durch die bange Frage gedämpft wird, ob die Schule nicht eines schönen Tages zu einem anderen Zwecke als zum friedlichen Unterricht der Kinder herhalten müsse.

Nun, wir glauben, diese Schule wird man niemals, "zweckentfremden", denn es wäre ein trauriges Zeichen, wenn man ausgerechnet die vorbildlichste Erziehungsstätte ihres eigentlichen Sinnes berauben würde. Es würde sich sehr zum Schaden auf die Erziehung auswirken, das wird man selbst im "Zweifelsfalle" zu beachten haben.

Selbst das Nachsitzen schön

Allein warum Sorgen über das machen, was gar nicht ist - und wie gesagt, selbst in einem solchen Falle soll man das "Fell des Bären… " Zunächst einmal wird die Schule morgen ihrer Bestimmung übergeben und dann werden die Klassenzimmer vom Lärm der Jugend wiedcrhallen, von wahrscheinlich noch froheren Stimmen, als dies im alten Haus der Fall gewesen ist. Denn Tatsache, man kann - wirklich jenem Schlachtenbummler der Düsseldorfer Schulausstellung recht geben, der sich äußerte, dass in so herrlichen Räumen selbst noch das Nachsitzen Freude bereiten müsse. Womit nicht gesagt sein soll, wir würden die Kinder dazu animieren wollen, Gründe zum Nachsitzen zu schaffen.


Die damalige Gemeinschaftsgrundschule Wegberg wurde 1968 nach der Neuordnung der Schulen und der damaligen Trennung der Volksschulen in Grund- und Hauptschulen gegründet. Ihr Zuhause fand die Schule im Schulgebäude auf der Beecker Straße, einem freundlichen Nachkriegsbauwerk, das aber schon sehr schnell zu klein wurde. Schulleiter der GGS wurde Herr Willi Ludwigs, ihm zur Seite stand der Konrektor, Herr Hans-Günther Köhnen. Die GGS hatte ein sehr großes Einzugsgebiet, so dass die Schule gleich mit einem großen Kollegium die Arbeit begann.
In den folgenden Jahren wuchs die GGS immer stärker. Mit immer neuen Lehrern und Lehrerinnen wurde die Zügigkeit bis auf 6 Parallelklassen ausgebaut. Nachdem schon provisorische Pavillonklassen angebaut waren, Flur- und Kellerbereiche zu Klassenräumen ausgebaut wurden, selbst hinter dem Heizungskeller musste ein Kellerraum als Klassenraum genutzt werden, lagerte die Schule schließlich zwei Klassenräume in die Kath. Grundschule nach Beeck aus.
Die Schüler und Schülerinnen dieser Klassen wurden nun jeden Morgen mit einem Schulbus in den Nachbarort gefahren und dort von zwei Lehrern der Wegberger Grundschule unterrichtet. Diese Situation wurde von den Eltern mit großem Unmut begleitet und innerhalb der Stadt wie auch im Rathaus wurde nach möglichen Unterbringungsalternativen für die große Wegberger Grundschule gesucht.
Dies fand sich dann 1976, als die Grundschule in das frühere Hauptschulgebäude an der Echter Strasse einziehen konnte. Jetzt hatte die Schule Platz für ihre Sechszügigkeit und unter dem neuen Rektor, Herr Erhard Nickel, der den pensionierten Schulleiter Ludwigs ablöste, konnte das Lernen in der Echter Strasse beginnen.
Die Schüler und Schülerinnen und das Kollegium, das zu dieser Zeit 26 Personen umfasste
fühlten sich wohl. Im Gebäude brachte die Stadt dann noch fünf Realschulklassen unter, die aber durch einen eigenen Ausgang zu ihrem Hauptgebäude nebenan geleitet wurde.
1978 kam es dann zu einer neuerlichen Unruhe im Schulalltag. Die Grundschule sollte das ihr lieb gewonnene Gebäude wieder verlassen und zurück in die Beecker Straße ziehen. Der Grund lag im Anwachsen des neu gegründeten Gymnasiums, das im neuen Hauptschulgebäude immer mehr Platz benötigte. Mit gemeinsamer Überzeugungsarbeit, die vor allem vom Rektor Herrn Nickel und dem Konrektor Herrn Köhnen geleistet wurden, zog die Stadt das Ansinnen zurück und beschloss den Neubau einer weiteren Schule, in die dann die Hauptschule endgültig einziehen sollte.
Von nun an konnte das Leben der Gemeinschaftsgrundschule in der Echter Strasse in Ruhe weiterlaufen. Die Größe der Schule nahm wie bei allen Grundschulen im Land stetig ab , die Klassengrößen gingen bis auf 19 - 20 Kinder zurück .Die nächste gravierende Änderung fand dann im Jahre 1984 statt. Nach einer Erkrankung beschloss der Rektor Herr Nickel, wie der Konrektor Herr Köhnen zum Ende des Schuljahres 1983/84 aus dem Dienst zu scheiden. Die Zeitschriften überschrieben den Artikel zur wunderschönen Abschlussfeier, die die Schule mit allen 32o Schülern und Schülerinnen gestaltete: Eine komplette Schulleitung geht in den Ruhestand! Jetzt leitete ein Mitglied des Kollegiums, Renate Eidems, als Konrektorin kommissarisch die Schule. Ab April 1985 setzte dann die Bezirksregierung Frau Eidems als Schulleiterin ein. Damit war die Rektorenstelle wieder besetzt und im September 1984 wurde dann ein weiterer langjähriger Kollege, Herr Hermann-Josef Volmer zum Konrektor ernannt. Der Bestand an Schülern und Schülerinnen stieg nun langsam wieder an. Für nach und nach zu pensionierende Kolleginnen und Kollegen kamen neue an die Schule. Ebenso mussten die langjährige Schulsekretärin, Frau Gisela Fleck und das langjährige Hausmeisterehepaar, Herr Erwin Mirbach und Frau Betty Mirbach aus Altersgründen ihr Amt aufgeben.
Neue Sekretärin wurde Frau Anneliese Baatz, neuer Hausmeister Herr Gerold Waltinger, die beide ihre verantwortungsvollen Ämter bis heute ausüben.
Im Jahre 1999 wurde dann beim Schulfest im Februar der Wunsch nach einem Schulnamen konkreter. Unter vielen Namen und Anregungen von Eltern, Lehrern und Bürgern der Stadt fand der Name des Schriftstellers Erich Kästner allgemeine Zustimmung. Die Schulgemeinde identifizierte sich mit diesem Mann und seinem schriftstellerischen Werk. Nach der Zustimmung des Rates der Stadt Wegberg und der offiziellen Genehmigung durch die Anwaltskanzlei, die die Erben Kästner vertritt, stand der offiziellen Namensvergabe am 3. Dezember 1999 nichts mehr im Wege. Die Bürgermeisterin der Stadt, Frau Hedwig Klein gab der Schule innerhalb einer großen Feierstunde mit der Enthüllung des Fotos von Erich Kästner den offiziellen Namen:
Erich Kästner Schule Städt. Gemeinschaftsgrundschule Wegberg. Da Erich Kästner testamentarisch verfügt hatte, dass sein Name nicht mit Bindestrich getrennt werden darf, bleibt der Schulname ohne Bindestriche.
Jetzt, im Jahre 2001 steht die Schule vor einer neuerlichen Änderung in der Schulleitung. Unser langjähriger Konrektor, Herr Volmer wollte eine schöne Klassenfahrt mit seinem vierten Schuljahr in Münstereifel verbringen.
Unmittelbar nach der Ankunft stürzte er so unglücklich, dass aus einer langwierigen Krankheitszeit schließlich eine endgültige Pensionierung wurde. So hatte sich Herr Volmer sein Dienstende sicher nicht vorgestellt. Das Kollegium spendete Trost, suchte aber auch nach Hilfen, den Ausfall zu bewältigen.
Der Kollege Rudolf Neumann sprang in die Bresche und übernahm kommissarisch Aufgabenbereiche der vakanten Konrektorenstelle. Dies führte er mit viel Zufriedenheit für sich und auch seitens des Kollegiums aus, so dass sich Herr Neumann auf die Stellenausschreibung im Frühjahr 2001 bewarb und vom Schulträger auch für diese Stelle vorgeschlagen wurde.

Im Januar 2001 wurde dann erst Herr Volmer in einer großen Feier von der Schule verabschiedet; Herr Rudolf Neumann dann im Februar 2002 in einer großen Feier in sein Amt eingeführt. Nach mittlerweile erfolgter Namensgebung (siehe weiter unten) hat die Erich Kästner Schule einen lebendigen, fröhlichen Schulalltag, indem sich alle Beteiligten von Zeit zu Zeit bei Schulfesten, Kinderbörsen und anderen Aktionen treffen und das große Kollegium, in harmonischer Lernumgebung den Schülerinnen und Schülern sowie sich selber eine angenehme Schulatmosphäre zu schaffen.
Seit dem Schuljahr 2013/2014 hat die Schule die Grundschule in Merbeck. als Teilstandort, und die auslaufende Grundschule Klinkum im Gebäude.
Am 21. November wurde Frau Eidems mit einer großen Abschiedsfeier nach 29 Jahren als Rektorin der Schule verabschiedet. Sie hat in dieser Zeit das Bild der Erich Kästner Schule geprägt und sie zu dem gemacht was sie heute ist. Dafür wurde ihr bei der Feier von der Schulgemeinde und allen Rednern gedankt und Anerkennung gezollt.
Am 1. August wurde die Schulleiterstelle neu besetzt. Frau Helene Neumann, die bisherige Leiterin der Kastanienschule in Rath-Anhoven, ist nun die neue Rektorin der Erich Kästner Schule.

Biographie

Erich Kästner

1899-1974

Schriftsteller1899 23. Februar: Erich Kästner wird in Dresden als Sohn der späteren Friseuse Ida Kästner (1871-1951) und des Sattlermeisters Emil Richard Kästner (1867-1957) geboren. Zu seiner Mutter hat er Zeit ihres Lebens ein sehr enges Verhältnis; mehr als 30 Jahre lang schreiben sie sich fast täglich Briefe. ab 1906 Besuch der Volksschule in Dresden. 1913 Eintritt in das Freiherrlich von Fletscher' sche Lehrer - Seminar in Dresden. 1917 Nimmt als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und kehrt mit schwerem Herzleiden zurück. 1918 Entlassung aus dem Heeresdienst. Abschlusskursus im Strehlener Lehrerseminar. 1919 Hospitant im König-Georg-Gymnasium. Erste Gedichtveröffentlichungen in der Schülerzeitung des Gymnasiums. Kästner absolviert das Kriegsabitur. Studienbeginn in Leipzig - später auch Rostock und Berlin - mit den Fächern Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theatergeschichte. 1922 Neben dem Studium Anstellung an der "Neuen Leipziger Zeitung". 1925 Promotion zum Dr. phil mit dem Thema: Die Erwiderungen auf Friedrichs des Großen Schrift "De la littérature allemande". 1927 Aufgrund der Veröffentlichung eines erotisch relativ freizügigen Gedichts, wird Kästner von der "Neuen Leipziger Zeitung" entlassen und zieht nach Berlin. Dort arbeitet er als Theaterkritiker und freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen, unter anderem der pazifistischen "Weltbühne", die von Carl von Ossietzky herausgegeben wird und für die eine Reihe prominenter Schriftsteller, wie Lion Feuchtwanger und Ernst Toller schreiben. ab 1928 Kästner veröffentlicht erste Gedichtbände: "Herz auf Taille" (1928), "Lärm im Spiegel" (1929) sowie zeitkritische, politisch-satirische Gedichte und Texte für das Kabarett. ab 1929 Veröffentlichung von Kinderromanen wie "Emil und die Detektive" (1929), "Pünktchen und Anton" (1931), "Der 35. Mai" (1931) und "Das fliegende Klassenzimmer" (1933). "Emil und die Detektive" gehört zu Kästners erfolgreichsten Werken; es wird in 24 Sprachen übersetzt und verfilmt. 1933 Verbot und Verbrennung verschiedener Arbeiten von Kästner durch die Nationalsozialisten: die Gedichtbände "Herz auf Taille" (1928), "Ein Mann gibt Auskunft" (1930), "Gesang zwischen den Stühlen" (1932) und sein satirischer Roman "Fabian" (1931). In diesen Büchern wendet sich Kästner mit treffsicherem Witz gegen spießbürgerliche Moral, Militarismus und Faschismus. Kästner wird erstmals von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet.1937-1940 Kästner wird wiederholt verhaftet, aber immer wieder freigelassen. 1942 Unter Pseudonym schreibt Kästner das Drehbuch für den Ufa-Jubiläumsfilm "Münchhausen". Kästner erhält totales Schreibverbot durch die Nationalsozialisten. Dennoch emigriert er nicht. Seine Romane "Drei Männer im Schnee" (1934), und "Georg und die Zwischenfälle" (1938) können nur im Ausland veröffentlicht werden. 1945 Herbst: Gründung des literarischen Kabaretts "Die Schaubude" in München. Feuilleton-Redakteur der "Neuen Zeitung" in München. 1946 Herausgeber der Zeitschrift "Pinguin. Für junge Leute". Publikation der Gedichtauswahl "Bei Durchsicht meiner Bücher", seinem ersten Buch nach Kriegsende. 1947 Reise zum Internationalen PEN - Kongress in Zürich. 1949 Uraufführung des Bühnenwerks "Zu treuen Händen". Veröffentlichung der Kinderbücher "Das doppelte Lottchen" und "Die Konferenz der Tiere". 1951 Gründung des Kabaretts "Die kleine Freiheit" in München.Kästners Mutter stirbt in Dresden. 1951-1962 Präsident des Westdeutschen PEN-Zentrums. 1956 Verleihung des Literaturpreises der Stadt München. 1957 Uraufführung des Dramas "Die Schule der Diktatoren". Auszeichnung mit dem Georg - Büchner - Preis. Geburt seines Sohnes Thomas, der bei seiner Mutter Fridine Siebert in Berlin aufwächst. Tod von Kästners Vater. 1958 Rede zum 25. Jahrestag der Bücherverbrennung auf dem PEN-Kongress in Hamburg. 1959 Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz. 1961 Publikation von "Notabene 45: Ein Tagebuch", nach Tagebuchaufzeichnungen Kästners aus der Zeit von März bis August 1945. 1963 Publikation von "Der kleine Mann", ein Roman für Kinder. 1964 Herbst: Eröffnung der Kästner-Ausstellung des Goethe-Instituts in der Internationalen Jugendbibliothek in München. Die Ausstellung geht im Anschluss unter anderem nach Stockholm und Kopenhagen. 1970 Kästner erhält den kulturellen Ehrenpreis der Stadt München. 1974 29. Juli: Erich Kästner stirbt im Alter von 75 Jahren in München. 1999 Große Kästnerausstellung "Die Zeit fährt Auto. Erich Kästner zum 100. Geburtstag" in Berlin und München. Die Ausstellung wurde gemeinsam vom Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Münchner Stadtmuseum erarbeitet. (at/iz)
Denkmalschutz

Wegberg, Echterstraße 2, Schule (ehem. kath. Volksschule)
Gutachten gem. § 22 (3), 1 DSchG NW zum Denkmalwert gem. § 2 DSchG NW

Ortstermin: 27.10.1999

Baujahr: 1949-51
Architekten: Alfons Leitl / Hermann Lahme

LAGE UND BAUGESCHICHTE Die ehem. katholische Volksschule in Wegberg wurde 1949-51 nach Plänen der Architektengemeinschaft Alfons Leitl und Hermann Lahme aus Rheydt errichtet. Es handelt sich um einen "Musterbau", der gemäß den seinerzeit maßgeblichen Schulbaurichtlinien konzipiert und überregional publiziert und beachtet wurde. Die Schule befindet sich südöstlich des historischen Ortskernes von Wegberg an der Ecke Maaseiker Straße / Echterstraße und ist heute als Gemeinschaftsgrundschule Teil eines großen Schulzentrums. Von dessen jüngeren Gebäuden hebt sich die ursprüngliche Volksschule aber in Gestalt und Konstruktion deutlich ab. Die Auswahl von Entwurf und Architekten basierte auf einem beschränkten Wettbewerb im September 1949. Zur Teilnahme aufgefordert waren außer Leitl und Lahme noch Matthias Klärding (Aachen), Carl Staudt (Wegberg) und zunächst Heinrich Bartmann, der Architekt des Wegberger Rathauses, an dessen Stelle jedoch nachträglich Heinz Tillmanns (Erkelenz) trat. Vorgegeben waren ein Raumprogramm von acht Klassen, einer Turnhalle, einer Hausmeister- und zwei Lehrerdienstwohnungen sowie eine eingeschossige Bauweise "nach den in der Fredeburger Tagung festgelegten Richtlinien" (zu diesen Richtlinien S. o.), Ferner wünschten die Auslober "in Anbetracht der besonderen Lage des Grundstücks [... J eine bodenständige doch zeitgemäße äußere Gestaltung".

Leitl und Lahme hatten den Wettbewerb zum Anlass genommen, eine Untersuchung über die Wirtschaftlichkeit verschiedener Grundrisslösungen im Pavillonsystem anzustellen, die sie ihrem Entwurf voranstellten und die von Leitl in seiner Zeitschrift Baukunst und Werkform zusammen mit dem ausgeführten Wegberger Bau später auch veröffentlicht wurde. Die von ihm als günstigste Lösung gewählte doppelbündige Reihung an einem Mittelgang wurde vom Preisgericht, dem u. a. Hans Schwippert, Oberbaurat Hunold (Bezirksregierung Aachen), Kreisbaumeister Grosche, Schulrat Schönbeck (Kultusministerium Düsseldorf) und der Wegberger Bürgermeister Kohlen angehörten, trotz Bedenken hinsichtlich der "Strenge der Anordnung" aufgrund der "erfreuliche[n] Klarheit und Einfachheit" der Gestaltung und der "maßstäblichen Anpassung an die Bebauung des Ortes" mit dem ersten Preis ausgezeichnet und zur Ausführung bestimmt [alle Zitate nach Kieser 1998, s. Lit. verz. ] .


BESCHREIBUNG
Auffälligstes Merkmal der Wegberger Schule ist die Aufteilung des Raumprogramms auf mehrere, weitgehend separate Baukörper, insbesondere die Ausführung aller Klassenräume als eingeschossige Pavillons, welche ebenerdig und nach einem bestimmten System angeordnet sind. Gemäß einer in der Schulbaukunde gebräuchlichen Bezeichnung handelt es sich um eine "Kettenanlage": Kennzeichnend für einen solchen Typus sind "mehrere Klassentrakte, die ein- oder mehrgeschossig sind und baulich-funktionelle Verbindung miteinander haben. Hauptmerkmal: Reihung der Klassen in mehreren Baukörpern und Verkettung in raumbildender Weise, jedoch nicht zentrumsbildend" [Perlick, zit. n. Kieser 1998, s. Lit. verz.].
Die Reihe der Baukörper entfaltet sich rechtwinklig zur Straße, in eine große Wiesenfläche vorstoßend. Den an der Straße gelegenen Eingangshof umschließen ein etwas zurückliegendes zweigeschossiges Hauptgebäude (ursprünglich Verwaltung und Werkräume), eine Turnhalle (ursprünglich mit Aula im Obergeschoss) und eine über einen gedeckten Gang mit dem Hauptbau verbundene Hausmeisterwohnung. Da Aula, Turnhalle und die im Keller befindlichen Sanitäranlagen auch außerschulischen Zwecken dienen sollten, wurde für diese ein separater Nebeneingang vorgesehen. Der Haupteingang ist durch ein leicht geschwungenes Betondach auf dünnen Stahlstützen ausgezeichnet.
Von der Rückseite des Verwaltungsgebäudes aus erschließt ein gerader Gang die paarweise einander gegenüberliegenden, eingeschossigen Klassenpavillons, zwischen denen so kleine windgeschützte Höfe für den "Freiluftunterricht" entstanden. Zu diesem Zweck besitzt jede Klasse eine eigene Außentür in der nach Südosten gerichteten, über einer Brüstungshöhe von 50 cm vollständig durchfensterten Wand. Hochgelegene Fensterbänder nach Nordwesten stellen eine zweiseitige Belichtung der Räume her; in die fensterlosen äußeren Stirnwände wurden in flache Nischen Sgraffitos mit Tiermotiven von Günther Peltzer eingelassen. Ein durchgehendes Satteldach fasst, da sein First höher als derjenige des durchgehenden Mitteltlures liegt, optisch die jeweils gegenüberliegenden Pavillons zusammen. Die Außenwände erhielten, "da die ganze Gegend seit altersher in Backstein zu bauen pflegt" (Leitl), eine Klinkerverkleidung vor Bimssteinhintermauerung. Der originale Bodenbelag der Flure aus roten Klinkern und sandsteinfarbenen Steinen ist, überwiegend in gutem Zustand, erhalten. Für die Fenster verwendete Leitl eine moderne Konstruktion aus sprossenlosen Drehflügelfenstern mit Stahlrahmen beziehungsweise (in den Klassen) frei vor stählerne Rundstützen gespannte Glasflächen.

Jede Klasse umfasste gemäß den damals maßgeblichen Schulbaurichtlinien außer dem eigentlichen Klassenzimmer zusätzlich einen Gruppenarbeitsraum und eine Garderobe, welche als Räume auch heute noch vorhanden sind. Der Verwaltungsbau besitzt zwei Treppenhäuser. Während die an der Turnhalle gelegene Treppe mit zeittypischem Schwung im Raum steht und diesen dominiert, ist die Treppe der Eingangshalle geradläufig und an die Seite gerückt, womit sie hinter den lichten Raumeindruck der zweigeschossigen Halle mit Galerie im Obergeschoss zurücktritt. In die Wand ist hier ein Stein mit Inschrift eingelassen: "Nicht der Gegenwart der Zukunft gilt die Erziehung der Kinder 1950".

BAUTYPOLOGISCHE EINORDNUNG
Dem Neuaufbau des Schulwesens wurde nach dem materiellen und geistigen Zusammenbruch von 1945 eine eminente staatspolitische Tragweite beigemessen. Demokratische und allgemeine ethisch-moralische Wertvorstellungen sollten dabei auch durch die Architektur neuer Schulgebäude vermittelt werden. In der Rückschau haben sich viele der seinerzeit angestrebten Ziele als unrealistisch erwiesen, und Kontinuitäten obrigkeitsstaatlich-autoritärer Pädagogik im Nachkriegsdeutschland sind inzwischen bekannt. Auch bei den Architekturformen hat es die oft behauptete "Stunde Null" nicht gegeben, sondern die neuen Schulgebäude standen formal und typologisch durchaus in der Tradition der zwanziger und sogar der dreißiger Jahre. Insgesamt betrachtet steht die Wegberger Schule gleichwohl prägnant für ihre Zeit und ihre Entstehungsbedingungen.
Maßgebend für die Gestaltung der neuen Schulgebäude waren so genannte Schulbautagungen, von denen zwischen November 1948 und September 1951 etwa zehn mit überregionalem Charakter stattfanden. Für Nordrhein-Westfalen formulierte eine Tagung im sauerländischen Fredeburg im Juni 1949 nach ausführlicher Diskussion Leitvorstellungen, denen faktisch aufgrund der Mitwirkung des zuständigen Ministeriums Richtliniencharakter zukam. "Zentrales Anliegen war die Vermeidung großer Komplexe zugunsten überschaubarer kleiner Einheiten - innerhalb des gesamten Schulsystems einer Gemeinde als auch in der einzelnen Schule selbst. Im einzelnen forderten sie einen naturnah und abseits von Verkehrswegen gelegenen, jedoch in zumutbarer Weise erreichbaren Bauplatz mit einem gegenüber herkömmlichen Anlagen vergrößerten Schulhof, der auch Möglichkeiten zu `Freiluftunterricht' und Garten- oder Tierpflege mit einschließen sollte. Für die Baukörper wurde eine aufgelockerte und eingeschossige, zumindest aber den verschiedenen Altersstufen angepasste Bauweise empfohlen. Die Klassenräume seien möglichst nach Südosten auszurichten (keinesfalls nach Norden), loses Gestühl und variabel nutzbare Raumformen von maximal 60 qm Größe vorzusehen. Das Raumprogramm sollte um Aufenthalts?, Speise- und Gruppenarbeitsräume sowie Garderoben erweitert werden.
Der weltanschauliche Hintergrund dieser Bestimmungen erschließt sich aus den auf der Konferenz gehaltenen und später publizierten Vorträgen. An die reformpädagogischen Ansätze der zwanziger Jahre angelehnt, diente die Überwindung des Schulwesens und der Baugestaltung von Kaiserzeit und - nun zusätzlich -Nationalsozialismus als Leitbild:

Schulbauten sind also baulich gestaltete pädagogische Ideen. Erst von dieser Erkenntnis aus wird uns einleuchten, dass der Erbauer der alten Schulkaserne der Jugenderziehung genau das Gehäuse gab, das letzten Endes der pädagogischen Idee des Militärstaates entsprach. [...) Es ist nun von entscheidender Bedeutung für Pädagogen und Architekten zu erkennen, dass das neue Schulhaus als Bau und mit all seinen Einrichtungen in derselben Klarheit der Konzeption und der Folgerichtigkeit der Ausführung die Idee der demokratischen Erziehung verkörpern muss. [...] Alles Massenmäßige muss in kleinere Gemeinschaften, die der Erziehung des Persönlichen und Gemeinschaftlichen dienen, aufgelöst sein"' [Kieser 1998, S.202f, m.e. Zitat aus der Eröffnungsansprache in Fredeburg]. Propagiert wurden die "Fredeburger Richtlinien" u. a. in einer großen Ausstellung "Das neue Schulhaus" im November noch desselben Jahres 1949. Ein in erster Linie auf Volksschulen ausgerichtetes Schulbauprogramm diente in den folgenden Jahren der baulichen Umsetzung.
Mit dem ausdrücklichen Anspruch, die in Fredeburg gewonnenen Erkenntnisse auszuprobieren, initiierte der Kreis Erkelenz drei etwa gleichzeitige Bauvorhaben: einen Neubau in Merbeck (Wegberg), die Erweiterung der Schule in Myhl (Wassenberg) und als größtes Projekt die neue Volksschule in Wegberg. Letztere galt sofort als derart beispielhaft, dass das Düsseldorfer Kultusministerium entschied, anstatt der ursprünglich vorgesehenen mehreren Bauabschnitte den Bau in einem Zug beschleunigt zu vollenden, da man ihn als Muster den Teilnehmern der Düsseldorfer Schulbauausstellung zeigen wollte (von dort aus fanden Besichtigungen des Rohbaus statt).
Tatsächlich setzt die ehemalige Volksschule Wegberg die Fredeburger Richtlinien sehr genau um. Dies gilt vor allem für die Aufteilung der Gesamtanlage auf mehrere Baukörper, die Eingeschossigkeit der Klassenpavillons, die Ausrichtung der Klassenbelichtung nach Ost/Südost, die Einbeziehung des Freiraums und des "Freiluftunterrichts", die Erweiterung der Klassenräume um Arbeits- und Garderobenräume. Über alldem liegt eine zeittypische, bewusst angestrebte Atmosphäre der "Kindgerechtigkeit": die Klassenräume sind als kleine Häuschen in einfachen "Urformen" (rechteckiger Grundriss mit Satteldach) in für Kinder vertrauten bzw. leicht fasslichen Formen angelegt; ihre Größe und Proportion ist kleinmaßstäblich und übersichtlich, der Raumeindruck aufgrund der großzügigen Verglasung und der direkten Bezugnahme auf die umgebende Grünfläche hell und freundlich (was auch für die lichte Eingangshalle gilt). Die Tiersgraffiti an den Außenwänden als zeittypische "Kunst - am - Bau" sind hier ebenso zu nennen.
Neben diesen ideellen Hintergründen war die charakteristische Pavillonbauweise auch praktischen Erwägungen geschuldet: Ein "Wachsen" der Anlage bei Bedarf war so ohne große Umstände möglich, was z.B. angesichts der eingeschränkten finanziellen Umstände der Nachkriegszeit im Sinne einer Aufteilung in mehrere Bauabschnitte sehr vorteilhaft war. Hier in Wegberg wurde 1967 ein heute auf den ersten Blick kaum sich abhebender, angepasst gestalteter Pavillon an die Kette angefügt.

DER ARCHITEKT ALFONS LEITL
Alfons Leitl war einer der bedeutendsten Architekten und Architekturpublizisten in Deutschland im 20. Jahrhundert. 1909 in Berlin geboren, begann er seine berufliche Laufbahn 1928 als Auszubildender und dann Redakteur im Bauwelt-Verlag (Bauwelt, Wasmuth's Monatshefte für Baukunst und Städtebau). Seit 1936 veröffentlichte er darüber hinaus wichtige Fachbücher. Eine Architektenausbildung erhielt er erst ab 1938 im Büro seines Schulfreundes Hermann Lahme. Während des Krieges war Leitl u.a. im Büro von Hermann Rimpl tätig, welches aufgrund seiner überwiegenden Beschäftigung im Industriebau als einer der letzten Horte der Moderne während des Dritten Reiches galt. Zur selben Zeit knüpfte Leitl Beziehungen zu Rudolf Schwarz, Emil Steffann, Rudolf Steinbach, Johannes Krahn, Rudolf Bernard - einem Kreis von Architekten, die nach 1945 ganz erheblich den Wiederaufbau im Rheinland beeinflussten und die auch den Kern der von Leitl 1947 begründeten Zeitschrift Baukunst und Werkform bildeten.
1946 wurde Leitl durch Vermittlung von Hans Schwippert die Wiederaufbauplanung von Rheydt übertragen; gemeinsam mit Hermann Lahme gründete er dort ein Büro. 1949-51 war Leitl Stadtbaurat in Trier und anschließend als freischaffender Architekt und weiterhin als ein äußerst meinungsbildender Publizist tätig. Am 5. Februar 1975 ist Alfons Leitl in Trier gestorben.
Neben Rheydt und Maßnahmen in Trier geht der Wiederaufbau der im Krieg weitgehend zerstörten Innenstadt von Wesel auf Leitl zurück. Er entwarf große öffentliche Gebäude (z.B. die Stadtbibliothek in Trier) und Wohn- und Siedlungsbauten. Von prägender Wirkung waren aber vor allem seine Kirchenentwürfe, die ihm den Ruf eines der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenbauer im 20. Jahrhundert eintrugen. Zahlreiche Neu- , Erweiterungs- und Wiederaufbauten vor allem im Eifel-Aachener Raum (z.B. Aachen, St.Sebastian; Wassenberg, St.Georg; Aldenhoven, St.Martinus), am Niederrhein, im Trierer Raum, aber auch in Berlin stammen von seiner Hand. An Schulen wurden verwirklicht außer Wegberg noch die Agritiusschule in Trier und eine Gymnasiumserweiterung in Alsdorf.
Die historische Bedeutung von Alfons Leitl wurde in zahlreichen Artikeln und in einer umfangreichen Dissertation aus dem Jahr 1993 (mit Werkverzeichnis) dargestellt und gewürdigt.

BAUGESCHICHTLICHE WÜRDIGUNG
Die Volksschule in Wegberg war einer der frühesten Schulneubauten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Dadurch, dass sie auf der Düsseldorfer Schulbauausstellung gezeigt und vor allem von Leitl in seiner weit verbreiteten Zeitschrift publiziert wurde, war sie überregional bekannt und beachtet. Die Leitbilder der Pavillonbauweise und des Freiluftunterrichts wurden hier vorbildlich verwirklicht. "Freizügigkeit und Offenheit bildeten die zentralen Themen der neuen Schule in Wegberg. In der örtlichen Presse wurde sie als `Haus der Superlative' [Erkelenzer Nachrichten 20.12.1951] gefeiert, als mutigstes und modernstes Beispiel eines neuen Schulbaus in Deutschland. (...) In der Folge der Wegberger Schule entstanden zahlreiche dieser Pavillonschulen, die in unterschiedlichen Gruppierungen variiert worden waren. (...) Mit der Wegberger Schule ist bis in die Details ein baulicher Typ realisiert worden, der in Deutschland zum damaligen Zeitpunkt neu war." [Busmann 1995, S.126f., 5.129].
Hierbei wurden Traditionen der Reformpädagogik aufgenommen, die bereits in den zwanziger Jahren in erste architektonische Versuche (moderne Flachbauschulen z.B. in Frankfurt und Köln) umgesetzt worden waren. Formal ist Wegberg auch mit Gestaltungsprinzipien der dreißiger Jahre (Heimatschutzarchitektur sowohl im Schul- als auch im HJ-Heim Bau) in Beziehung zu setzen. Dies zeigt sich vor allem bei der betont konventionellen Gestaltung der einzelnen Baukörper als typische Häuschen mit Backsteinwänden und Satteldächern, die sich sowohl dem landschaftstypischen Bauen anpassen als auch kindlichem Formempfinden verständlich zu machen versuchen. Dass die Pavillonbauweise als eine "gesunde", weil naturnahe Bauweise im Krankenhausbau des 19. Jahrhunderts wurzelt, sei am Rande angemerkt.

Ähnliche Pavillonschulen dieser Zeit finden sich in der näheren Umgebung Wegbergs neben den oben erwähnten gleichzeitigen Bauvorhaben in Merbeck und Myhl z.B. in Neersen (sehr ähnlich in der kettenartigen Reihung der Pavillons, in der Gestaltung etwas konservativer), in Gerderath und in Dülken (mit verputzten Baukörpern); letztere, obwohl von der Bedeutung nicht mit Wegberg zu vergleichen, steht bereits als Zeugnis des Schulbaus der frühen fünfziger Jahre unter Denkmalschutz.
Der große Idealismus dieser ersten Nachkriegsbauten wich schon Mitte der fünfziger Jahre stärker wirtschaftlichem Denken. Unbestreitbar waren Gebäude dieses Typs in Bau und Unterhalt teurer als kompaktere, stärker zentralisierte Anlagen, die folgerichtig zunehmend die Oberhand gewannen. Andere pädagogische Leitbilder der sechziger und siebziger Jahre, die in den bekannten großen Schulzentren Ausdruck fanden, traten an die Stelle kleiner, überschaubarer Einrichtungen. Die Wegberger Pavillonschule steht somit auch beispielhaft für eine abgeschlossene Phase innerhalb des Schulbaus der fünfziger Jahre, der insgesamt (so der Architekturhistoriker Hackelsberger) "eines der positivsten Felder der verspäteten Moderne [darstellt], wenn auch die damals erhofften Vorbildfunktionen `eine freiheitliche Schule erzielt freiheitliche Menschen' zu den freundlichen, aber unerfüllten Hoffnungen jener Jahre gezählt werden müssen" [zit. n. Kieser 1998, s. Lit.verz.].

DENKMALWERT Die ehemalige katholische Volksschule ist aufgrund ihrer baugeschichtlichen Stellung das wichtigste Einzelgebäude des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg in Wegberg. Es ist daher gemäß Denkmalschutzgesetz bedeutend für Wegberg. Wegen ihres überregionalen Vorbildcharakters für eine bestimmte Richtung innerhalb des zeitgenössischen Schulwesens ist sie zudem bedeutend für die Geschichte des Menschen.
In Grundriss, Gestalt, Substanz und Details ist sie anschaulich erhalten und folglich ein architektur- und pädagogikgeschichtliches Zeugnis von hohem Rang. Sie ist zudem das Werk eines bedeutenden Architekten. An ihrer Erhaltung und sinnvollen Nutzung besteht daher aus wissenschaftlichen, insbesondere architektur- und pädagogikgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Bestandteil des Denkmals ist neben der eigentlichen Schule auch das zugehörige Wohnhaus. Wegen des prägenden Einflusses des Freiluftunterrichtgedankens auf die Baugestaltung sind insbesondere die Freiflächen zwischen den Klassenpavillons als solche zu erhalten und damit ebenfalls Teil des Denkmals; nicht zum Denkmal gehören das Pavillongebäude von 1967 sowie die umliegenden neueren Gebäude des Schulzentrums (s. Lageplan).

Die ehemalige katholische Volksschule in Wegberg von Alfons Leitl / Hermann Lahme aus den Jahren 1949-51 ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Wegberg. An ihrer Erhaltung und Nutzung besteht aus wissenschaftlichen, insbesondere architektur- und pädagogikgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse. Sie ist daher gemäß §2 (1) Denkmalschutzgesetz NW ein Baudenkmal.

QUELLEN LITERATUR
StA Wegberg, Akte Schulneubau Wegberg. Ferdinand Steinhüser: Ein Kreis verwirklicht die Idee der "wachsenden Schule". In: Kulturarbeit 2 (1950), S.110f. Baukunst und Werkform 4 (1951), S.27?35 u. S.10-12. Erkelenzer Nachrichten 20.12.1951. Johannes Busmann: Die revidierte Moderne. Der Architekt Alfons Leitl 1909-1975, Wuppertal 1995 ( = Beiträge der Forschungsstelle für Architekturgeschichte und Denkmalpflege der Bergischen Universität - Gesamthochschule Wuppertal, Bd. 7), zgl. Dissertation Wuppertal 1993. Marco Kieser: Heimatschutzarchitektur im Wiederaufbau des Rheinlandes. Köln 1998, S.192?222.

Im Auftrag

(Dr. Marco Kieser)


* Hans Joachim Haude

Krankenhausstr.

41 41844 W e g b e r g

Kommentar
zur Schulgeschichte der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule Wegberg, wie sie auf der Internetseite der Schule dargestellt ist.

Im Abschnitt „Geschichte" der Internetseite wird aus einem Artikel aus der Tageszeitung „Erkelenzer Nachrichten" vom 20.12.1951 über den fertigen Neubau der Katholischen Volksschule in Wegberg zitiert, wie folgt im Abschnitt „Die Zukunft eingerechnet':

In der neuen Schule werden beide Systeme, das Katholische und das Evangelische, untergebracht. Damit wird die Grenzlandringgemeinde allen Kindern ihres Distrikts gleichermaßen gerecht.

Dadurch entsteht der Eindruck, als hätte bei Aufnahme des Unterrichts im neuen Schulgebäude im Januar 1952 auch eine Evangelische Volksschule ihren Unterricht dort aufgenommen. Das ist aber nicht der Fall. Es gab zwar zu der Zeit in der Gemeinde Wegberg in Geneiken und in Rath-Anhoven Evgl. Volksschulen, diese führten aber ihren Schulbetrieb dort weiter fort. Für den Ort Wegberg war man zwar damals seit Jahren bestrebt, eine Evgl. Volksschule einzurichten, aber erst mit dem 1. April 1964 wurde dieses Vorhaben endlich verwirklicht. Da erst nahm in den östlichsten drei der acht Pavillons eine 3-klassige Evgl. Volksschule ihren Betrieb auf, und am 16. November 1964 zog sie wieder aus und in den für sie gebauten Neubau an der Beecker Straße um.
Wegberg, den 20.06.2009